Solingen. (PM BHC) Sechs Minuten vor Schluss sahen die Löwen im Bundesliga-Duell gegen die HSG Wetzlar wie die klaren Verlierer aus. Schließlich hatte es... Furiose Schlussphase bleibt unbelohnt

Arnor Thor Gnnarsson (BHC) – © Sportfoto-Sale (MK)

Solingen. (PM BHC) Sechs Minuten vor Schluss sahen die Löwen im Bundesliga-Duell gegen die HSG Wetzlar wie die klaren Verlierer aus.

Schließlich hatte es der Bergische HC 14 Minuten lang in der zweiten Halbzeit nicht geschafft, einen Treffer zu erzielen. Durch die Umstellung auf eine offene Manndeckung verkürzten die Gastgeber in der abermals aufgrund der Corona-Lage fast leeren Solinger Klingenhalle von 16:21 auf 20:21 und hatten dann sogar die Großchance zum Ausgleich. Letztlich behielten die Mittelhessen die Punkte beim 20:22 (13:13) aber doch noch.

Arnor Gunnarsson trat 25 Sekunden vor Schluss zum so wichtigen Siebenmeter an, der im Erfolgsfall den Ausgleich bedeutet hätte. Der Isländer scheiterte an Tibor Ivanisevic – und wenige Momente später bejubelte die HSG Wetzlar den 22:20-Erfolg, nachdem Emil Mellegard getroffen hatte. Ein bitteres Ende, das ein paar Minuten vorher allerdings noch überhaupt nicht in Reichweite zu sein schien. BHC-Coach Sebastian Hinze stellte beim Fünf-Tore-Rückstand auf eine offene Manndeckung um – eine Maßnahme, die sofort Wirkung zeigte. Wetzlar war komplett von der Rolle, während die Löwen Ball um Ball eroberten und durch zwei Tore von Fabian Gutbrod und je einem Treffer von Jeffrey Boomhouwer und Maciej Majdzinski einen 4:0-Lauf hinlegten.

Vor dieser furiosen Aufholjagd, die eine ausverkaufte Klingenhalle wohl zum Beben gebracht hätte, hatten die Bergischen allerdings eine schwache Halbzeit hingelegt. Die Gäste waren beim Stand von 13:13 besser aus der Pause gekommen. Zwar hielten die Löwen bis zum 16:17 noch mit, doch in der Folge gelang 14 Minuten kein eigener Treffer mehr. Die Hausherren begingen technische Fehler, leisteten sich Fehlpässe, warfen oft in den Block und präsentierten sich dann auch ein wenig mutlos.

Die Deckung stand zwar während der gesamten Partie stark, doch auch zahlreiche Paraden von Torhüter Christopher Rudeck genügten in dieser Phase ob der Angriffsleistung nicht, um die Partie offen zu halten. Das war in der ersten Hälfte noch anders gewesen. Zwar führte die HSG stets, schaffte es aber nicht, sich mit mehr als zwei Toren abzusetzen. Die Löwen fanden auch offensiv immer wieder eine Antwort – ohne ihr bestes Level zu erreichen. Vor der Halbzeit glich die Mannschaft sogar aus, was die Handballer der HSG Wetzlar sichtbar frustrierte.

So funktionierte das Tempospiel zum Beispiel als Jeffrey Boomhouwer einen Gegenstoß nach einer Balleroberung von Daniel Fontaine verwandelte. Oder nach einer schnellen Mitte von Csaba Szücs, der gleich selbst traf. Nachdem Max Darj einen Siebenmeter herausgeholt hatte, den Boomhouwer zum 13:13 verwertete, hatten die Gäste den letzten Angriff vor der Pause. Der Wurf von Stefan Cavor landete zwar im Tor – die Spielzeit war allerdings unmittelbar zuvor bereits abgelaufen. Eine leichte Steigerung der Löwen in der zweiten Halbzeit hätte vielleicht schon genügt, um den Gästen das Leben schwer zu machen. Die jedoch erfolgte erst sechs Minuten vor dem Ende – was eine ebenso spektakuläre wie verrückte Endphase einbrachte und den Kampfgeist der Mannschaft eindrucksvoll zur Schau stellte. Letztlich war sie aber eben doch zu spät.

Verzichten musste der BHC im Übrigen erneut auf Linus Arnesson, der schon bei der HSG Nordhorn-Lingen mit muskulären Problemen ausgesetzt hatte. Tomas Mrkva saß nach seiner Gehirnerschütterung auf der Bank und wäre – wenn nötig – als Entlastung für Christopher Rudeck für Kurzeinsätze einsatzbereit gewesen.

LÖWENGEBRÜLL – DIE STIMMEN ZUM SPIEL
KAI WANDSCHNEIDER:
„Wir haben 25 Minuten in der zweiten Halbzeit richtig gut gespielt. Aber dann stellt der BHC auf eine offene Manndeckung um, und wir haben uns einfach nicht bewegt. Seit 30 Jahren trainiere ich, wie man gegen eine offene Manndeckung spielt. Aber ich bekomme jedes Jahr mehr oder weniger eine neue Mannschaft. Und mit dieser habe ich das einfach noch nicht gemacht.“

SEBASTIAN HINZE: „Die erste Halbzeit war ordentlich. Wir mussten uns da immer wieder ins Spiel reinkämpfen, machen das aber gut. Leider kommen wir sehr schlecht aus der Kabine. Das zieht sich durch, bis wir auf die offene Manndeckung umgestellt haben. In der Deckung stehen wir eigentlich gut, aber wir haben immer wieder Fehler im Angriff gemacht, die wir normalerweise nicht machen. Insgesamt war das zu fehlerbehaftet.“

JÖRG FÖSTE: „Es war in Spiel mit zwei ganz außergewöhnlich unterschiedlichen Halbzeiten – es war insgesamt außergewöhnlich. In der ersten Hälfte ist das Erwartbare geschehen: Beide Mannschaften haben sehr gut Deckung gespielt, und auch die eine oder andere Lösung trotzdem vorne gefunden. Der Halbzeitstand war leistungsgerecht – da empfand ich es tatsächlich so, dass Wetzlar am oberen Ende der Möglichkeiten gespielt hat und wir noch einiges an Potenzial hatten. Man kann unheimlich lange dabei sein, aber wird von diesem Sport immer wieder überrascht. Wer prognostiziert hätte, dass wir in 25 Minuten in der zweiten Halbzeit drei Tore machen, dem hätte ich nicht geglaubt. Im Prinzip kann man dann nicht mehr gewinnen. Was dann in den letzten fünf Minuten passiert ist, zeigt den ganzen Wahnsinn dieses Sports. Eigentlich hatten wir dann das Unentschieden verdient, nachdem wir unseren Kampfgeist entdeckt hatten. Es ist sehr schade. Ich halte den Wetzlarer Sieg insgesamt für schmeichelhaft, weil wir viele, viele Chancen im Gegenstoß und frei von außen hatten, die wir nicht haben nutzen können.“

BERGISCHER HC – HSG WETZLAR 20:22 (13:13)
BERGISCHER HC: Rudeck, Mrkva – Boomhouer (3/1), Damm, Gutbrod (4), Fontaine, Stutzke, Babak (2), Szücs (1), Schmidt, Majdzinski (2), Johannsson, Gunnarsson (2/1), Fraatz, Darj (3), Nikolaisen (3). Trainer: Sebastian Hinze
HSG WETZLAR: Klimpke, Ivanisevic – Cavor (5), Björnsen (4), Mellegard (3), Holst (3/2), Lindskog (2), Mirkulovski (1), Henningsson (1), Fredriksen (1), Schefvert (1), Gempp (1), Rubin, Srsen, Feld, Weissgerber. Trainer: Kai Wandschneider
SCHIEDSRICHTER: Jannik Otto und Raphael Piper
SIEBENMETER: 2/5 – 2/6
ZEITSTRAFEN: 3 – 2 Darj (2), Damm – Henningsson, Rubin
SPIELVERLAUF: 3:3 (5.), 6:6 (10.), 8:8 (15.), 9:11 (20.), 10:12 (25.), 13:13 (30.), 15:17 (35.), 16:17 (40.), 16:19 (45.), 16:20 (50.), 18:21 (55.), 20:22 (60.)

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