Hagen. (PM Phoenix) Das für Dienstag, 15. Dezember, angesetzte Auswärtsspiel gegen die PS Karlsruhe Lions findet nicht statt. Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel erläutert im Interview,... Hagens Geschäftsführer zur Spielabsage in Karlsruhe: „Mannschaft nicht verheizen – Offensichtlich, dass wir ein Fitnessproblem haben“

Patrick Seidel – © by K-Media-Sports

Hagen. (PM Phoenix) Das für Dienstag, 15. Dezember, angesetzte Auswärtsspiel gegen die PS Karlsruhe Lions findet nicht statt.

Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel erläutert im Interview, wie es dazu kam.

Patrick, wir müssen hier nichts schönreden: Zwei 30-Punkte-Niederlagen in Folge – und dann auch noch in der eigenen Halle – werden auch dich schockiert haben. Erst gegen Paderborn, jetzt gegen Schwenningen. Was waren deine ersten Gedanken nach der Schlusssirene am Samstag?

Patrick Seidel: Hier schlagen sicherlich zwei Herzen in meiner Brust, sodass ich auch verschiedene Gedanken gleichzeitig in meinem Kopf hatte. Einerseits sitze ich als Fan meiner Mannschaft auf der Tribüne und kann jeden verstehen, der eine Enttäuschung oder sogar Wut in sich hatte. Andererseits bin ich als Verantwortlicher emotional ganz nah bei meiner Mannschaft. Es war ganz klar zu erkennen, dass die Mannschaft und jeder einzelne Akteur wollte, aber ab einem gewissen Punkt nicht konnte. Ab Mitte des 3. Viertels war in beiden Spielen quasi der Stecker gezogen und nichts ging mehr. Deswegen überwog unmittelbar nach Spielende bei mir das Thema: Was sind die Gründe dafür? Was ist als nächstes zu tun? Bei allem Respekt für die guten sportlichen Leistungen unserer Gegner: Unter normalen Rahmenbedingungen liegen keine 30 Punkte zwischen uns.

Coach Chris Harris räumte nach der Partie einen taktischen Fehler zu Beginn der Partie ein, in der man eine 0:20-Serie hinnehmen musste. Nur zehn eigene Punkte im Schlussviertel trugen allerdings ebenfalls zu der hohen Niederlage bei. Welche Erklärung hast du bzw. habt ihr dafür?

Patrick Seidel: Es ist offensichtlich, dass wir ein Fitnessproblem in unserem Team haben. In der Bewertung unserer Leistungen müssen wir die letzten Wochen im Gesamtpaket betrachten. Wir haben 2×2 Wochen in Quarantäne verbracht, wobei wir in der zweiten Phase mit teils starken Symptomen zu kämpfen hatten. Gleichzeitig treffen wir auf Gegner – mit Ausnahme von Trier, die auch noch zu kämpfen hatten – die voll im Saft stehen und bisher von Covid-19 verschont geblieben sind. Gerade auf dem Level Profisport ist es über die Spieldauer gesehen ein riesiger Unterschied, ob ich bei 60 bis 70 Prozent Leistungsvermögen bin oder bei 100 Prozent. Uns tut die Kombination aus Spielbetrieb, Regeneration und Fitnessaufbau auf jeden Fall nicht gut. Das ist in dieser Taktung nicht zu leisten. Gerade vor diesem Hintergrund dürfen wir uns solche Nachlässigkeiten zum Spielbeginn nicht leisten, sondern müssen die Phase, in der unser Energielevel noch hoch ist, konzentriert nutzen.

Wenn ihr das Fitnesslevel der Spieler ansprecht, das aufgrund der Corona-Pause nicht bei 100 Prozent liegen kann: Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Team so lange vom Spielbetrieb fernzuhalten, bis man wieder ein ligataugliches Niveau erreicht hat? So wie die Nürnberg Falcons es getan haben…

Patrick Seidel: Ja, das kann man nach den ersten drei absolvierten Spielen so sehen. Ich stand mit Ralph Junge aus Nürnberg im regelmäßigen Austausch und wusste um den „Nürnberger Weg“. Wir hatten alle zusammen die große Motivation, nach dem langen Break wieder aufs Spielfeld zurückzukommen. Die Medizinischen Voraussetzungen waren gegeben, da wir den empfohlenen Weg der Basket Docs „Return-to-Sport“ 100-prozentig verfolgt haben. Ich denke, die Spielfreude war dann gegen Trier auch für jedermann ersichtlich. Das hat uns positiv überrascht. Die Fitness war zwar nicht gegeben, aber die Akkus waren vor diesem Spiel bei 100 Prozent. Heute müssen wir das Thema unter sportmedizinischen Aspekten ganz anders bewerten.

Das Spiel gegen Karlsruhe wurde jetzt allerdings abgesagt. Wie ist es dazu gekommen?

Patrick Seidel: Wir müssen unsere Spieler schützen. Das hat oberste Priorität. Wir können die Jungs zu diesem Zeitpunkt und in der Form nicht weiter verheizen. Das wäre sehr fahrlässig. Ab dem 27. Dezember sollen wieder Spiele im Vier-Tage-Rhythmus stattfinden. Die körperlichen Reaktionen nach dem Schwenningen Spiel waren drastisch. Eine Regeneration hat bis heute keinen Abschluss gefunden. Wir hatten für Montagmorgen vorab bereits Termine bei unserer Ärztin vereinbart. Eigentlich ging es hier um ein anderes Thema: den Antigen-Tests nach unserer Covid-19-Infektion. Die Untersuchungen wurden allerdings aus gegebenem Anlass ausgeweitet. Und im Anschluss wurde dringend empfohlen, auf das morgige Spiel zu verzichten.

Was sagst Du Kritikern, die Phoenix jetzt evtl. vorwerfen, dass diese Arbeitsunfähigkeit nur vorgeschoben ist, um etwa eine Formschwäche „auszusitzen“?
Patrick Seidel: Es gibt immer Kritiker, die jede Entscheidung gerne nutzen, um hervorzutreten. Das gehört scheinbar dazu. Das halten wir aus. Letztendlich darf das für uns keine Rolle spielen. Es geht ausschließlich um die Gesundheit der Spieler. Wir müssen das Verletzungsrisiko im Normalbereich eines Profisportlers halten und Langzeitschäden vermeiden. Die Spieler stehen auf dem Feld und sonst keiner. Gerade in der heutigen Zeit möchte ich nicht zu martialisch `rüberkommen. Aber wir können die Jungs nicht in die Schlacht schicken mit dem Wissen, dass sie keine Chance haben und einem hohen Risiko ausgesetzt sind.

Wird das Spiel in Rostock am Sonntag stattfinden können?

Patrick Seidel: Hier kann ich weder das eine, noch das andere zum jetzigen Zeitpunkt bestätigen. Die letzten 24 Stunden waren sehr dynamisch. Ich denke, dass es bereits heute auch dazu eine finale Entscheidung geben kann. Die medizinische Empfehlung ist klar hinterlegt.

Mit jetzt erst einem Sieg aus fünf Spielen wird auch die Coach-Kritik einiger Fans lauter. Kannst du diese kritischen Stimmen verstehen?

Patrick Seidel: Ja. Wenn ich einfach nur auf die Tabelle schaue und die letzten beiden Heimspiele sehe, kann ich das verstehen. Das ist mir allerdings viel zu simpel und plakativ. Da mache ich nicht mit. Was mich stört – und wir hatten in der Vergangenheit bereits rein sportlich begründete Krisen – ist allerdings, dass die größten Kritiker gar keine Argumente zulassen wollen und sich dem gegenüber tendenziell verschlossen zeigen. Dabei können nur die wenigsten Menschen aus unserem Umkreis eine reale Bewertung der Zusammenarbeit vornehmen. Etwas mehr Fairplay wäre wünschenswert. Gerade im Kontext zu Covid19, das für uns alle eine neue Belastungsprobe darstellt.

Zum Abschluss noch eine Frage abseits des Sportlichen: Am Sonntag wurde ein neuer „harter Lockdown“ beschlossen. Der Profi-Sport ist davon – Stand jetzt – noch nicht betroffen. Bist Du darüber erleichtert – oder eher verwundert?

Patrick Seidel: An sich beides. Die Liga und jeder einzelne Verein unternimmt seit Monaten größte Anstrengungen, scheut weder Kosten noch Mühen, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Hier reden wir schließlich nicht von ein paar Hobbysportlern, sondern einem ganzen Berufsbild. Alleine bei Phoenix sprechen wir von 17 Festangestellten (inkl. Spielern und Trainern) und 4 Mini-Jobbern. Hinzu kommen die Dienstleister, bei denen wir relevante Auftragsvolumen vergeben. Da hängen viele Schicksale dran. Wenn man die Aussagen der Politik in den letzten Tagen verfolgt hat, bin ich deshalb positiv überrascht.

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