Solingen. (PM BHC) Das Wort „Achterbahnfahrt“ fiel nach der Partie des Bergischen HC bei der TSV Hannover-Burgdorf immer wieder. Tatsächlich komplettierte die verrückte Schlussphase... Verrückte Endphase sichert dem BHC einen Punkt

Tomas Babak (BHC) – © Sportfoto-Sale (MK)

Solingen. (PM BHC) Das Wort „Achterbahnfahrt“ fiel nach der Partie des Bergischen HC bei der TSV Hannover-Burgdorf immer wieder.

Tatsächlich komplettierte die verrückte Schlussphase der Bundesliga-Begegnung eine wilde Löwen-Fahrt, die mit einem 30:30 endete. Ein Punkt, mit dem der BHC angesichts einer furiosen Aufholjagd in den letzten 70 Sekunden wohl deutlich besser leben kann als die Recken. Held des Tages war ausgerechnet Arnor Gunnarsson, der am Freitag seinen 33. Geburtstag feiert und nach einem vergebenen Siebenmeter in den letzten Sekunden gegen die HSG Wetzlar in der ZAG-Arena cool blieb und zum Remis vollstreckte.

In der ersten Halbzeit hatte es noch gar nicht nach einer so dramatischen Begegnung ausgesehen. Der BHC brauchte ein paar Minuten, um ins Spiel zu finden, erarbeitete sich dann aber zwei Mal die Kontrolle. Zwei 4:0-Läufe bescherten den Löwen angeführt vom stark aufspielenden Tomas Babak eine zwischenzeitliche 17:12-Führung. Tom Kare Nikolaisen vertrat Max Darj, der aufgrund eines grippalen Infekts (zwei negative Covid-19-Testungen) im Bergischen Land geblieben war, sehr ordentlich. Nicht nur machte er einen guten Job in der Deckung, er zeigte sich auch abschlusssicher, wenn er den Ball am Kreis bekam.

Den Vorsprung gaben die Bergischen nach Wiederanpfiff allerdings schnell aus der Hand. Hannover hatte nun deutlich weniger Probleme, zu guten Abschlüssen zu kommen, und für einige Minuten verloren die Gäste in der mit 1635 Zuschauern gefüllten Halle den Faden. Dennoch: Die Löwen kämpften nicht nur, sie fanden auch zu ihrer Stärke zurück. War es in der ersten Halbzeit noch Maciej Majdzinski, der aus dem Rückraum traf, übernahm in der zweiten Hälfte David Schmidt die Verantwortung. Mit voller Überzeugung tankte sich der Rückraumspieler durch und erzielte alle BHC-Treffer vom 23:23 bis zur 26:24-Führung.

Doch auch dieser Vorsprung hielt nicht. Stattdessen übernahm Hannover in der wilden Hälfte wieder das Kommando und schien die Partie durch den neunfachen Torschützen Fabian Böhm für sich zu entscheiden. Böhm versenkte zum 29:27 und 69 Sekunden vor Schluss sogar 30:27. In diesen Sekunden hat wohl sogar der größte Optimist keinen Cent mehr auf den BHC gesetzt. Der allerdings machte weiter, traf blitzschnell durch Tomas Babak zum 28:30 und veränderte die Abwehr auf eine offensive Manndeckung, die letztlich aber Wurffallen stellen musste.
Gleich zwei Mal durften die Gastgeber frei aus sechs Metern abschließen, doch die Löwen hatten in Person von Tomas Mrkva das Glück des Tüchtigen. Der Tscheche parierte zwei Mal völlig frei. Zunächst traf erneut Babak zum Anschluss, dann tankte sich Sekunden vor dem Ende Schmidt durch und holte einen Siebenmeter heraus. Mit dem Unterschied von ein paar Sekunden wiederholte sich an dieser Stelle der Spielverlauf gegen die HSG Wetzlar.

Arnor Gunnarsson war es, der wie gegen die Mittelhessen die Chance hatte, eine Aufholjagd mit dem Ausgleich per Siebenmeter zu krönen. Gegen Wetzlar hätte der Isländer das 21:21 erzielen
können, vergab aber die große Gelegenheit – und die HSG gewann 22:20. Gegen Hannover hatte der Isländer nun wieder die letzte Aktion. Und er behielt die Nerven. Als der Ball zum 30:30 und damit zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt in den Maschen einschlug, feierten die Bergischen dies wie einen Sieg. Und Gunnarsson? Dem war trotz seiner isländischen Coolness die Erleichterung anzumerken.

Löwengebrüll – die Stimmen zum Spiel:
Sebastian Hinze:
„Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Punkt. Er ist am Ende glücklich für uns, wenn man 90 Sekunden vor dem Ende mit zwei Toren zurückliegt. Für meine Jungs ist es aber sehr verdient, weil ich schon finde, dass wir 40 Minuten ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht haben. Der Unterschied in der zweiten Halbzeit war, dass wir es nicht geschafft haben, das Tempospiel aufzuziehen. In der ersten Halbzeit machen wir das gut und kreieren viele Chancen, auch aus der zweiten Welle. In der zweiten Halbzeit sind wir da nicht effektiv genug und machen da leider wieder Fehler. Trotzdem haben die Jungs bis zum Ende daran geglaubt, hier noch was Zählbares zu holen. Mit der schmalen Besetzung haben wir im Angriff nach anfänglichen Problemen gute Lösungen gefunden, um wieder in Abschlüsse zu kommen. Mit dem Positionsangriff war ich dann auch zufrieden. Defensiv hat man gemerkt, dass uns gegen den Druck etwas die Kräfte ausgegangen sind. Ich bin sehr glücklich, man kann uns auch gratulieren zu dem Punkt, gerade wenn man die letzten Minuten sieht. Für die Jungs freue ich mich extrem. Und es ist auch verdient, dass wir den Punkt mitnehmen.“
Carlos Ortega: „Unsere Abwehr war in den ersten 20 Minuten sehr gut, aber der BHC hat mehrere Mal nach dem letzten Pass das Tor gemacht. Die zweite Halbzeit war sehr stark von uns. Aber das Zurücklaufen war nicht gut nach der Drei-Tore-Führung, das Tor war zu einfach. Danach haben wir zwei Mal frei vergeben, das passiert. Dass es dann so kommt, war schade für uns. Aber es war trotzdem ein toller Kampf von meiner Mannschaft.“ Jörg Föste: „Unser Fazit fällt insgesamt ausgesprochen positiv aus. Auch heute hat die Mannschaft einen couragierten Auftritt hingelegt. Der wurde belohnt mit dem Punktgewinn. Wir haben über weite Strecken sehr ruhig gespielt, diszipliniert. Hervorzuheben ist heute im Aufbauspiel sicherlich Tomas Babak, der über weite Strecken das Spiel sehr ruhig gelenkt und immer wieder auch neue Ideen gebracht hat. Tom Kare Nikolaisen ist ein weiterer Aktivposten heute. Er hat ja die Rolle von Max Darj übernommen und das sehr gut gemacht. Und letztlich zählt bei einer derartigen Achterbahnfahrt, was unter dem Strich herauskommt. Und wenn man drei Tore in den letzten Minuten macht, dann ist es möglicherweise auch verdient, wenn man den Punkt mitnimmt.“

TSV Hannover-Burgdorf – Bergischer HC 30:30 (13:17)
TSV Hannover-Burgdorf: Ebner, Lesjak – Cehte (1), Kuzmanovski (1), Martinovic (3), Mävers, Hansen (3/2), Pevnov (1), Jönsson (6), Böhm (8), Krone, Donker (1), Hanne, Brozovic (4), Feise (2), Büchner. Trainer: Carlos Ortega
Bergischer HC: Rudeck (1), Mrkva – Boomhouwer (4), Damm, Gutbrod (2), Fontaine, Stutzke, Babak (6), Szücs, Nikolaisen (3), Bergner, Schmidt (5), Majdzinski (4), Johannsson, Gunnarsson(5/3), Fraatz. Trainer: Sebastian Hinze
Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah und Suresh Thiyagarajah
Siebenmeter: 2/2 – 3/3
Zeitstrafen: 3 – 1 Feise, Böhm, Brozovic – Tom Kare Nikolaisen
Spielverlauf: 3:2 (5.), 5:5 (10.), 7:8 (15.), 11:12 (20.), 12:14 (25.), 13:17 (30.), 16:17 (35.), 20:18 (40.), 22:22 (45.), 24:25 (50.), 28:27 (55.), 30:30 (60.)

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