Leverkusen. (PM Bayer Giants) „Stay Home“ ist in Zeiten von Covid-19 zu einem der bekanntesten Begriffe auf dem Erdball geworden. Selbstverständlich haben auch wir... Giants-Coach Hansi Gnad im XXL Interview

Leverkusen. (PM Bayer Giants) „Stay Home“ ist in Zeiten von Covid-19 zu einem der bekanntesten Begriffe auf dem Erdball geworden. Selbstverständlich haben auch wir uns im Gespräch mit GIANTS-Headcoach Hansi Gnad an die Anforderungen der Gesundheitsbehörden gehalten.

Per Telefon sprachen wir mit dem gebürtigen Darmstädter im ersten Part des Interviews über die aktuelle Corona-Pandemie, den Unterschied zwischen ProA und ProB und vieles mehr.

Frage: Hansi, die wichtigste Frage vorab: Wie geht es dir?

Hansi Gnad: Meiner Familie und mir geht es gut, vielen Dank! In der aktuellen Situation steht das sportliche Geschehen erst einmal hinten an, wichtiger ist die Gesundheit der Gesellschaft.

Wie nimmst du die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen wahr?

Am Anfang hat man die Situation noch ein wenig auf die leichte Schulter genommen, aber inzwischen scheint es, dass jeder den Ernst der Lage erkannt hat. Die Maßnahmen die von unserer Landes- bzw. Bundesregierung ergriffen wurden, werden von den Bürgern gelebt und ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis sich die Lage entspannt hat. Viele Arbeitnehmer, von Gaststätten bis hin zu Frisören, haben mit einer angespannten wirtschaftlichen Situation zu kämpfen, was nicht einfach ist. Ich für meinen Teil versuche bei der Umsetzung der Maßnahmen so gut es geht zu helfen.

Jetzt, wo die Saison aufgrund der Krise beendet wurden ist, hast du sicherlich auch Zeit für einige andere Dinge. Wie sieht dein derzeitiger Tagesablauf aus?

Ja, das stimmt. Die Arbeit mit den Spielern in der Halle zum Beispiel ist komplett weggefallen. Aktuell bin ich dabei die Planungen für die Saison 2020/21 voranzutreiben. Gespräche mit Spielern, Agenten und unserer Geschäftsleitung sowie das Scouting von potenziellen Neuzugängen stehen auf dem Programm. Jeden Tag gibt es neue interessante Akteure, die Möglichkeiten für uns bieten.  Aber klar: Auch Dinge die in der Vergangenheit zuhause liegen geblieben sind, wie am Haus oder im Garten, habe ich bei dem tollen Wetter in Angriff genommen.

Für die gesamte Mannschaft kam das Ende der Saison 2019/20 abrupt. Kurz vor dem Spiel gegen die PS Karlsruhe LIONS wurde nicht nur die Partie sondern auch die gesamte Spielzeit gecancelt. Kannst du den Fans erläutern, wie ihr mit der Unsicherheit vor der Begegnung bzw. mit dem Saison-Aus im Anschluss umgegangen seid?

Das schnelle Saisonende kam sicherlich für alle Beteiligten in der Art und Weise überraschend, schließlich wusste niemand so genau wie gefährlich diese Pandemie sein wird. Doch jeder in der Mannschaft hat für die gesamte Situation Verständnis aufgebracht. Selbstverständlich ist es für Trainer, Spieler und Fans ungewohnt auf Basketball in den kommenden Monaten zu verzichten, dennoch waren diese Schritte für unser aller Gesundheit unabdingbar.

Nach deiner ersten Saison als Cheftrainer in der zweithöchsten Spielklasse der Bundesrepublik kannst du uns sicherlich erläutern worin sich, neben dem spielerischen Niveau, die ProA und ProB unterscheiden?

Über den sportlichen Unterschied zwischen den beiden Ligen müssen wir nicht groß eingehen, der ist sicherlich schnell zu erkennen. Die ProA war in diesem Jahr aus meiner Sicht stärker als noch in der Saison zuvor. Die Liga ist sehr viel ausgeglichener geworden und die Vereine sind alle näher aneinandergerückt. Natürlich haben sich die NINERS Chemnitz verdient in der ProA durchgesetzt und auch die Meisterschaft folgerichtig einfahren können. Aber in den vorherigen Jahren, war es etwas leichter den Klassenerhalt zu schaffen, da einige Mannschaften einfach schwächer waren als es 2019/20 der Fall war. Man sieht es auch an der Tabelle, dass drei Spieltage vor Saisonende noch kein Absteiger feststand und auch die Playoffplätze heiß umkämpft waren. Auch neben dem Feld hat die ProA sehr viel professionellere Anforderungen an uns gestellt und diese haben wir gut gelöst.

Die GIANTS haben nach ihrem furiosen Meistertitel in der ProB auch in der zweithöchsten deutschen Liga Vollgas gegeben und einige Favoriten mächtig ins Schwitzen gebracht. Wie beschreibst du die Saison 2019/20 rückblickend?

Ich bin natürlich schon sehr zufrieden, wie wir in der gerade abgelaufenen Spielzeit aufgetreten sind. Wir waren auf einem extrem guten Weg und hatten die realistische Chance die Playoffs in der ProA als Aufsteiger zu erreichen. Die gesamte Saison über sind wir nie in wirkliche Abstiegsnöte geraten und somit konnten wir unser ausgegebenes Ziel schnell erreichen. Die Jungs haben es super gemacht und vor allem waren wir zuhause unglaublich stark. Jede Mannschaft, die nach Leverkusen gekommen ist wusste, dass es hier verdammt schwer werden würde zu gewinnen. Das Team wurde von unseren Fans toll unterstützt und ist dementsprechend selbstbewusst in der Ostermann-Arena aufgetreten. Es war ein wirklich gutes Jahr für uns!

Für dich war es  ein recht anstrengendes Jahr. Neben den schweren Verletzungen von Greg Logins und Dennis Heinzmann, habt ihr den Kader mit den Verpflichtungen von Colter Lasher und Sheldon Eberhardt bzw. dem Abgang von Eric Cooper Jr. nachträglich korrigiert. War die Saison für dich auch „emotional“ auf einem anderen Level als die ProB? Schließlich gab es einige schwere Entscheidungen zu treffen.

Jede Saison stellt die verschiedensten Anforderungen an mich als Trainer, aber so etwas gehört nun mal zum Geschäft. Es waren nicht nur die Verletzungen von Dennis und Greg, die uns wehgetan haben, sondern auch Lennard Winter, Luca Kahl oder Marian Schick haben einige Wochen gefehlt. Natürlich war es schwierig für uns, als mit Greg Logins ein potenzieller Leistungsträger des Teams gleich vor Saisonbeginn lange ausgefallen ist. Aber die Nachverpflichtungen, sei es Colter Lasher oder Sheldon Eberhardt für Eric Cooper Jr., haben gleich gefruchtet und die beiden Jungs haben gut in das Team gepasst. Wie gesagt, unangenehme Entscheidungen gehören zum professionellen Basketballsport dazu und auch für 2020/21 wird es sicherlich wieder einige schwierige davon geben. Ich glaube dennoch, dass wir optimistisch sein können was den kommenden Kader angeht. In den letzten beiden Jahren haben wir einen doch recht ordentlichen Job in dieser Hinsicht gemacht.

 

Frage: Wenn man mit Fans über das „Spiel der Saison“ spricht, fällt den meisten das Heimspiel gegen die Nürnberg Falcons ein. Wie fühlt sich das an, wenn eine sicher verlorene Partie bei einem Rückstand von mehr als 20 Zählern gedreht wird und eine komplett neue Dynamik zugunsten der eigenen Mannschaft entsteht?
Hansi Gnad: Wir haben vor eigenem Publikum einige Spiele abgeliefert, die überragend waren, aber die Begegnung gegen Nürnberg sticht dabei heraus. Wir lagen im vierten Viertel mit 20 Punkten zurück und niemand hat auch nur einen Penny auf einen Sieg der GIANTS gesetzt. Die Jungs haben dennoch weitergespielt und an ihre Chance geglaubt. Sie haben Willen und Charakterstärke bewiesen und sind Zähler um Zähler an die Falcons herangekommen. Vielleicht waren sich die Nürnberger auch schon zu sicher als Gewinner das Feld zu verlassen.  Aber gerade dies zeichnet den Basketballsport aus, dass alles jederzeit möglich ist um ein Spiel, sei der Rückstand noch so hoch, zu kippen.  Ich glaube, dass das Basketball einzigartig macht. Dieser Sieg war in der Tat etwas Besonderes!

Für dich zählt vor allem das Kollektiv. Einen absoluten „Go-To-Guy“ der durchschnittlich 20 oder mehr Punkte pro Spiel erzielt sucht man im Kader des Rekordmeisters vergeblich. Wie bist du auf diese Art der „Philosophie“ gekommen bzw. wie hat sich diese bei dir entwickelt?

Als Spieler habe ich nicht gerne mit Leuten gespielt, für die ich als eine Art „Blocksteller“ nur die harte Arbeit übernommen habe.  Basketball ist meiner Meinung nach sehr viel ansehnlicher, wenn jeder innerhalb der Mannschaft Verantwortung trägt. Jeder Spieler kann, sei es offensiv oder defensiv, dem Spiel seinen Stempel aufdrücken.  Deshalb bin ich ein großer Freund davon, wenn unser Team als Kollektiv auftritt. Ähnlich wie wir hat es auch Chemnitz gemacht und permanent, ohne den großen Superstar, mit 12 Spielern rotiert. Der Erfolg hat dem neuen Meister der ProA recht gegeben. Wir werden diesen Stil auch weiter beibehalten und ich glaube, dass dies auch unsere Zuschauer sehen möchten.

Trotz des erfolgreich ausbalancierten Kaders war vor allem eure Heimstärke für den Erfolg entscheidend. Was zeichnet die „Festung Ostermann-Arena“ und ihre Fans aus?

Unsere Fans sind sehr begeisterungsfähig und haben es in wichtigen Phase der Begegnung geschafft, das gesamte Team auf das nächsthöhere Level zu pushen. Unsere Spielweise wurde von den Zuschauern mit toller Stimmung honoriert und darüber freuen wir uns selbstverständlich.  Leverkusen verfügt über ein basketballkundiges Publikum, welches mit guten Mannschaften wie unserer Zweitvertretung in der 1.  Regionalliga West, Fast-Break Leverkusen und dem Leichlinger TV (2. Regionalliga) verwöhnt wird. Des Weiteren haben wir mit BBZ Opladen einen Zweitligisten, der sich im hochklassigen Damenbereich etabliert hat. Dem Basketballfan fehlt es in Leverkusen und Umland an nichts. Schön, dass wir ein wichtiger Teil davon sind.

Bei allem Erfolg zuhause müssen wir auch das Thema „Auswärtsspiele“ ansprechen. Was passt in der Fremde noch nicht für Euch?

Uns fehlte auswärts noch ein wenig das Selbstbewusstsein, welches wir in der Ostermann-Arena an den Tag gelegt haben. Das liegt sicherlich auch daran, dass unsere Fans bei diesen Partien selten in großer Anzahl dabei sind. Wir haben in den ProB-Playoffs 2019 gesehen, wie wichtig der Support u.a. in Schwelm (Anm. d. Red.: 300 Leverkusener Auswärtsfans) oder Münster (150 GIANTS-Fans) war. Wir werden daran aber hart arbeiten, auch in fremden Hallen wichtige Siege einzufahren!

Am Ende steht der fünfte Tabellenplatz, zum Saisonhöhepunkt (die Playoffs) ist es leider nicht mehr gekommen. Wie gehst du als ehemaliger Leistungssportler und Trainer des Teams damit um, dass die Endrunde nun nicht stattfindet?

Natürlich ist es sehr schade, schließlich möchte man als Sportler den Wettbewerb bis zum Ende durchspielen und die bestmögliche Platzierung erreichen. Aber, auch das muss klipp und klar gesagt werden, gibt es wichtigere Dinge als ein Basketball-Playoffspiel in der ProA, nämlich die Gesundheit aller Beteiligten. Dabei geht es nicht nur um Spieler, Trainer oder Schiedsrichter, sondern auch um unsere Zuschauer, ehrenamtliche Helfer und viele mehr.  Wie bereits erwähnt, hatte die gesamte Mannschaft Verständnis für den Saisonabbruch in dieser schwierigen und komplexen Situation.

Wie wichtig ist dein Trainerteam für dich persönlich?

Sehr wichtig! Jacques Schneider, Nick Brüwer und Tom Janicot unterstützen mich so gut es eben möglich ist. Vor allem Jacques habe ich in den vergangenen Jahren einiges zu verdanken, er macht einen unheimlich guten Job in unserer Basketball-Abteilung. Er hat die zweite Herren im Januar übernommen und schlussendlich auf einen guten achten Tabellenplatz geführt. Mit der NBBL gelang Jacques der souveräne Einzug in die Playoffs. Ohne ihn wäre bei den GIANTS vieles nicht möglich. 

Viele Anhänger interessiert sicherlich wie es um die Kaderplanung 2020/21 steht.
Wurden bereits Gespräche mit Spielern geführt und kannst du absehen, wann es erste offizielle Meldungen der „Giganten“ in dieser Hinsicht gibt?

Die Kaderplanung läuft selbstverständlich schon seit einiger Zeit an. Wir sprechen mit Spielern aus der Vorsaison und haben bereits mit potenziellen Neuzugängen für 2020/21 gesprochen. Dennoch gibt es aktuell nichts zu vermelden, was vor allem an der Coronakrise liegt. Aktuell müssen wir genau schauen, wo wir finanziell stehen. Es wird für alle Vereine in unserem Sport sehr schwer werden, die Kaderplanung frühzeitig abzuschließen. Des Weiteren hoffe ich darauf, dass die Spieleragenten die schwierige Situation der Klubs nachvollziehen, da die finanziellen Gegebenheiten in diesem Sommer andere sein werden als noch im Vorjahr.  Ich bin mir ganz sicher, dass der Trainerstab, in Zusammenarbeit mit dem Vorstand und der Geschäftsführung, eine qualitativ gute Truppe auf die Beine stellen wird, welche unseren Fans wieder Spaß macht.

Du sprichst die schwierige finanzielle Lage im Basketball an und die Pandemie hat in der Tat bereits einige Mannschaften hart getroffen: Elchingen und Schalke haben ihren Rückzug aus der BARMER 2. Basketball Bundesliga bekanntgegeben. Viele weitere Vereine kämpfen um ihre Existenz. Wie gefährlich ist der Virus aus deiner Sicht für die Zukunft des professionellen Basketballs?

Der Virus ist für alle Sportarten extrem gefährlich, was die Zukunftsperspektive angeht. Basketball ist ein Sport, in dem die Spieler buchstäblich permanent körperlichen Kontakt eingehen und zahlreiche Fans in die Halle lockt. Dies sind perfekte Bedingungen für die Krankheit um sich auszubreiten. Deshalb gilt, dass solange die Situation nicht einigermaßen im Griff ist, der Sport in den Hintergrund rückt. Geisterspiele, so wie sie aktuell in der Fußball-Bundesliga geplant sind, kann ich mir höchstens in der NBA und nicht in Deutschland vorstellen. Dafür fehlen einfach die Einnahmen aus hohen TV- und Werbeverträgen.

Hansi, was erhoffst du dir für die kommenden Wochen und Monate?

Ich hoffe, dass meine engere Familie, Verwandten und Freunde gesund bleiben. Dass die Menschen weiterhin Verständnis für die Maßnahmen zeigen und Dinge wie das „Abstand halten“ beim Einkaufen beherzigen.  Disziplin ist in diesen Tagen mehr als wichtig, das zeigt uns wie prekär die Lage u.a. in den Vereinigten Staaten ist.  Wir sind auf einem guten Weg und müssen diesen beibehalten. Es gilt weiterhin kleine Schritte in Richtung Normalität zu gehen. Allen GIANTS-Fans, Helfern, Sponsoren und Lesern wünsche ich beste Gesundheit!


Nordkurve12 überreicht 1.904 Euro an die GIANTS

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